Auf den Spuren von Gaudí

Nachdem wir gestern die Altstadt ausgiebig erkundet haben, sollte es heute in die Neustadt gehen. Das Viertel Eixample ist sehr von der Modernisme geprägt, was in etwa dem spanischen Jugendstil entspricht.

Doch nach dem Frühstück haben wir uns erst auf den Weg in den nord-östlichen Teil des Viertels gemacht: zur berühmten Sagrada Família. Dort haben sich leider auch schon die Touristen gestapelt und wir mussten eine Weile anstehen. An der Kasse angekommen haben wir uns also den Eintritt in die Basilika und einen Audio-Guide erkauft. Die Türme sind heute wegen "schlechten Wetterbedingungen" nicht zu besichtigen. Da uns vom blauen Himmel die Sonne anlacht (26°C sind vorhergesagt) vermuten wir, das es am Wind liegen könnte. Ausgestattet mit einem deutschsprachigen Audio-Guide beginnen wir unsere Tour an der Passionsfassade, die das Sterben Christus' darstellt. Die kantigen Skulpturen finde ich sehr ansprechend, die typischen schwülstigen Darstellungen finden sich erst auf der anderen Seite an der Weihnachtsfassade. In der Basilika selbst ist die Atmosphäre - trotz der vielen Touristen und der Tatsache, dass es eben eine Kirche ist - angenehm. Durch die Buntglasfenster fällt angenehmes Licht und das weiße Baumaterial erdrückt einen nicht. Gaudí hat die Architektur des Gebäudes stark an natürliche Formen angepasst. So "verzweigen" sich die Säulen nach oben und enden in Palmblätter-artigen Deckenkonstrukten. Alles ist sehr gut durchdacht.

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Im angeschlossenen Museum sind noch viele Skizzen und Modelle, teilweise von Gaudí selbst, ausgestellt. Die Sagrada Família ist übrigens eigentlich eine riesige Baustelle. Denn es fehlen noch fünf Türme und einige Fassaden. Optimisten hoffen, dass der Bau zu Gaudís 100sten Todestag in 2026 fertiggestellt wird. Die Sagrada Família bietet dann circa 9000 Leuten Platz im Gottesdienst. Im Souvenirladen erstehen wir dann auch unsere ersten Mitbringsel: ich habe ein Puzzle mit einer Collage aus Gaudís Werken in Barcelona entdeckt und zwei außergewöhnliche - nämlich dreieckige - Espressotassen gehören nun uns. :)

Im kleinen Park nebenan machen wir eine Pause und dann übernimmt Niko die Reiseleitung durch das "Goldene Quadrat". Die Neustadt ist nämlich von Stadtplanern mit quadratischen Wohnblocks angelegt. (Ein bisschen wie in Mannheim.) Die meist ziemlich schmalen Geschäfte reichen dadurch sehr weit nach hinten. Wir laufen also quer durch die Straßen und entdecken viele Häuser verschiedener Architekten der Modernisme.

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Wie die ganzen Casas heißen weiß ich leider nicht mehr, aber ich bin sehr beeindruckt und beneide die Barcelonier ein bisschen um die schönen Jugendstilfassaden. Die Casa Terrades (im Bild links oben) hat einen dreieckigen Grundriss und auf jeder Ecke ein Türmchen. Das Haus besteht eigentlich aus dreien, welche wohl drei Schwestern gehörten. Versteckt in einem Innenhof, den man durch einen kleinen Tunnel erreicht, finden wir außerdem einen Wasserturm. Davor ist ein schöner Platz mit Bänken und viel Schatten durch die dort gepflanzten Bäume, auf dem man bestimmt auch schön seine Mittagspause verbringen kann. Zwar gibt es in Barcelona nicht sehr viele Parks, aber überall stehen Bäume, durch die es sich leider auch schlecht fotografieren lässt. ;)

Am Schluss der Tour landen wir mal wieder am Plaça de Catalunya und steigen hier in den Bus, der uns in das Viertel Gracía bringt. Dort wollen wir zum Parc Güell, der ebenfalls von Gaudí gestaltet wurde. Leider ist ein Großteil des Parks inzwischen nur noch mit Eintritt zu erreichen, der uns mit 8€ etwas teuer erscheint.

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Nach einem kurzen Spaziergang durch den noch freien Teil machen wir uns zu Fuß auf den Weg zurück. Hier bekommen wir auch mal einen Eindruck von den weniger touristischen Gegenden. Die Straßen sind teilweise so eng, dass sie mehr an Gassen erinnern und es ist klar, warum so viele Mopeds unterwegs sind.

Inzwischen ist es schon wieder dunkel geworden und wir sind vom zweiten langen Tag auf den Beinen ziemlich erledigt. Zum Abendessen kehren wir wieder in eine Tapas-Bar ein, diesmal allerdings die baskische Variante: Pintxos. Dazu gibt es Sidra, spanischen Apfelwein. Hätte ich heute doch nur mein Geripptes-Shirt angezogen. :D

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Zum Nachtisch gibt es heute eine kleine Variation, u.a. mit Schokolade, Limettensorbet+gelierter Gin sowie einer Art Blätterteiggebäck.

Auf dem Heimweg gibt es einen kurzen Halt im Supermarkt damit Niko sich weiter durch das hiesige Bier probieren kann. Deutsches Bier scheint hier übrigens sehr beliebt zu sein. In vielen Bars gibt es Bitburger und Hefeweizen.

Zurück im Hotel machen wir es uns wieder im "Wohnzimmer" gemütlich, füllen das Reisetagebuch mit unseren Eindrücken und schreiben Postkarten.

Niko schläft neben mir inzwischen schon und ich werde auch gleich das Licht ausmachen. Morgen wollen wir das Castell de Montjuïc besichtigen.